Dampfqueen wird Smokee: Interview mit Rosle & Mario

Dampfqueen wird Smokee: Interview mit Rosle & Mario

Fast 15 Jahre Dampfqueen. Seit September 2011 haben Rosle und Mario, die Gründer des Schweizer Vape Shops Dampfqueen, die ganze E-Zigaretten-Branche miterlebt und mitgeprägt, von den ersten eGo-T über Selbstwickler bis zu Dampfertreffen. Nun beginnt ein neues Kapitel. Die beiden Dampfqueen-Standorte in Burgdorf und Steffisburg werden Teil von Smokee. Die bisherigen Mitarbeitenden werden alle von Smokee übernommen und mit ihnen viel Erfahrung und Vape-Know-how.

Wir haben mit Rosle und Mario darüber gesprochen, wie alles begann und was ihnen über all die Jahre wichtig war.

Porträt von Mario, Mitgründer des Schweizer Vape-Fachhändlers Dampfqueen.

Mario, Mitgründer von Dampfqueen, blickt im Interview auf fast 15 Jahre Schweizer Vape-Geschichte und die Übergabe an Smokee zurück.

Simon: Ich habe hier übrigens meinen alten Flash-e-Vapor dabei. Den habe ich vor ungefähr fünf Jahren ja noch bei euch gekauft, lange bevor ich bei Smokee gearbeitet habe. Und der läuft heute noch.

Mario (grinst): Wenn du bei dem noch den Metalltank draufmachst, kannst du den wahrscheinlich irgendwann deinen Kindern vererben …. 

Simon: Ich erinnere mich, ich konnte den damals nur bei Dampfqueen bestellen.

Rosle & Mario: Wir haben damals Arthur kennengelernt und hatten den Flashy danach exklusiv in der Schweiz. Arthur hat grossen Wert darauf gelegt, dass es nur wenige Shops gab, die seine Produkte verkaufen konnten.

Simon: Wenn ich mir ja heute anschaue, wie schnell neue Pod-Systeme auf den Markt kommen: Was hat sich für euch in diesen Jahren am stärksten verändert?

Rosle & Mario: Was ich schade finde: Früher haben die Leute, die dampfen, viel mehr zusammen diskutiert. Da hiess es: «Probier mal diesen Draht» oder «Was sagst du zu dieser Watte?» Manche kamen mit ihren ganzen individuellen Geräten und selbstgebauten Mods. Das waren noch Zeiten.

Simon: Wenn wir schon etwas nostalgisch werden: Ich dampfe ja ähnlich lange wie ihr, seit etwa 2013, später bin ich unter anderem über die vielen Anleitungs-Videos von Philgood, eine damals bekannte YouTube-Koryphäe der Schweizer E-Zigaretten-Szene, überhaupt zum Selbstwickeln gekommen.

Rosle & Mario: Mit Philgood hatten wir damals auch Kontakt. Einmal wollte er eines seiner Videos drehen und ihm fehlten kurzfristig ein paar Sachen. Er hat uns angerufen und gefragt, ob wir sie hätten.

Dann habe ich gefragt: «Wie lange bist du noch zu Hause?» Er wohnte damals in Zug. Also bin ich ins Auto gesprungen, von Burgdorf nach Zug gefahren und habe ihm die Sachen gebracht, damit er sein Video noch machen konnte. Im Video hat er das nachher sogar noch erwähnt.

Wie hat alles mit Dampfqueen eigentlich angefangen?

Rosle: Wir waren damals beide starke Raucher. In Thailand (ja, in Thailand) sind wir zum ersten Mal mit E-Zigaretten in Berührung gekommen. Das waren noch diese Dinger, du weisst schon, die teilweise wie normale Zigaretten aussahen. Als wir dann wieder zurück in der Schweiz waren, haben wir uns gefragt: Wo gibt es hier eigentlich einen Vape-Shop? 

So entstand irgendwann die Idee, selbst etwas aufzubauen. Am Anfang war es eine echt intensive Zeit. Mario, mein Mann, war tagsüber noch bei der Post angestellt, danach ging es in den Shop. Und teilweise bist du nachts um ein, zwei oder drei Uhr wieder aufgestanden, um wegen der Zeitverschiebung mit China Bestellungen zu erledigen. Das lief in den ersten Jahren wirklich so.

Ihr hattet ja damals nicht nur euren ersten Dampfer-Shop, sondern euch auch selbst aktiv für uns Dampfer in der Schweiz eingesetzt. Erzähl mal.

Rosle & Mario: Ja. Wir waren bei Aktionen und Demonstrationen dabei, als es darum ging, nikotinhaltige Liquids in der Schweiz zu legalisieren. Wir haben das nicht initiiert, aber wir waren dabei, unter anderem auch zusammen mit Leuten wie Philgood. Wir gehörten später auch zu den Gründungsmitgliedern der SVTA (Swiss Vape Trade Association).

Was hat Dampfqueen besonders gemacht?

Rosle & Mario: Ganz klar die Beratung. Die Beratung war bei uns das oberste Credo. Wir haben uns immer viel Zeit für jeden Kunden genommen. Auch wenn jemand unserer Stammkunden zehn oder fünfzehn Minuten warten musste, dann gab es eben einen Kaffee.

Das kam auch von den Kunden zurück. Sie kamen teilweise von weit her. Wenn du in Burgdorf auf den Parkplatz geschaut hast, standen dort manchmal Autos aus Basel, Zürich oder Fribourg. Wir bekamen selbst oft zu hören: «Wenn es um eine Erstberatung geht, geh zu Dampfqueen.» Auch beim Sortiment war uns immer wichtig, nicht einfach alles Mögliche zu verkaufen. Nur das, was unserer Meinung nach qualitativ gepasst hat, kam ins Sortiment. 

«Die Beratung war bei uns das oberste Credo. Wir haben uns Zeit für die Kunden genommen.»

Bei den Liquids habt ihr aber nicht nur viel ausgetestet, sondern auch einige Schweizer Marken von Anfang an begleitet, oder?

Rosle & Mario: Ja. Es gab immer wieder Kunden, die selber gemischt und uns etwas zum Probieren gegeben haben. Unsere Meinung war ihnen wichtig. Und manchmal war etwas dabei, bei dem wir gesagt haben: «Boah, ist das gut. Jetzt mach mal ein paar Flaschen und stell sie bei uns ins Regal.» So sind über die Jahre verschiedene Schweizer Liquids bei uns gelandet. Eines der ersten war damals «Lemon» von OVK – das war sogar noch zu Zeiten unseres allerersten «Kellerladens». 

Und irgendwann kam dann Dampfzauber dazu. Dampfzauber war ursprünglich ein reiner Onlineshop, den wir übernommen hatten. Danach lag der Name erst einmal ein paar Jahre in der Schublade. Als wir später begannen, eigene Liquids herzustellen, haben wir ihn wieder hervorgeholt. Der Name passte einfach.

Vor Corona hatten wir auch als einer der ersten Shops überhaupt, für jedes Liquid einen eigenen Testverdampfer. Die Kunden bekamen einen Akkuträger und ein Einweg-Mundstück und konnten sich durchprobieren. Das geht ja mit den heutigen gesetzlichen Vorschriften nach Corona nicht mehr. 

Man kann also durchaus sagen: Dampfqueen war auch ein Treffpunkt für die Community?

Rosle & Mario: Ja, definitiv.

Wir haben damals sogar Wickelkurse angeboten und regelmässig Dampfertreffen veranstaltet. Früher hatten wir noch ganze Säle dafür gemietet. Am letzten Freitag im Monat hatten wir auch oft ein gemütliches Treffen. Man hat sich da meist mit zwei oder drei Leuten hingesetzt und gemeinsam gewickelt.   

Das war ja auch das Schöne. Da haben sich die Leute gegenseitig geholfen. Du hast jemandem gezeigt, wie etwas gut kommt im Verdampfer – und ein paar Monate später hat genau diese Person ihr Wissen begeistert an den Nächsten weitergegeben. 

Wir haben auch draussen für die Kunden gegrillt. Meine Currywürste waren legendär (lacht).

Es gab doch auch lange diese Szene mit vielen Handmade Coils aus Drähten für Sub-Ohm-Verdampfer, die dir jeweils monatelang hielten. 

Mario: Ja, teilweise haben wir Leute eingeladen, die ihre Coils bei uns im Laden von Hand hergestellt haben. Dann konnten die Kunden zuschauen und haben auch verstanden, warum nun einmal eine solche Coil mehr kostet.

«Du hast jemandem etwas gezeigt – und ein paar Monate später hat genau diese Person ihr Wissen an den Nächsten weitergegeben.»

Heute ist vieles einfacher geworden. Ein gutes Pod-System kann gerade für jemanden, der von der Zigarette wegkommen möchte, sehr praktisch sein. Diese ganze Kultur rund ums Tüfteln und Selbstwickeln ist definitiv kleiner geworden. Sie existiert jedoch ganz klar noch immer. Es sind oft langjährige treue Kunden, die auch regelmässig viele Liquids und Base kaufen. 

Was bedeutet euch eure Stammkundschaft nach all diesen Jahren?

Rosle & Mario: Sehr viel. Da könnten wir dir viele Geschichten erzählen.

Da waren Kunden, die vor vielen Jahren noch mit ihren Babys in den Laden gekommen sind. Heute sehen wir deren Kinder noch hie und da, die natürlich mittlerweile erwachsen sind. Man kennt die Leute irgendwann. Sie kommen rein und erzählen, was bei ihnen gerade läuft. Man begleitet sich über Jahre.

Es gab auch Menschen mit gesundheitlichen Problemen, die nach vielen Jahren Rauchen zu uns kamen und den Umstieg geschafft haben. Einige haben sich noch Jahre später bei uns dafür bedankt. Solche Geschichten bleiben natürlich hängen.

Das sind die Momente, bei denen du merkst: Wir haben wohl einiges richtig gemacht.

Wann habt ihr gemerkt, dass das klassische Dampfqueen-Modell schwieriger wird?

Rosle & Mario: Eigentlich liefen die Geschäfte lange gut. Ein grosser Wendepunkt für uns war natürlich Corona. Die Leute konnten oder wollten plötzlich nicht mehr in die Läden und haben angefangen, viel mehr online zu bestellen. Darauf waren wir nicht vorbereitet.

Dazu kam unsere Philosophie. Wir waren immer ein reiner Vape-Shop. Uns war durchaus bewusst, dass wir das Sortiment irgendwann erweitern müssten. Aber gewisse Produkte wollten wir schlicht nicht verkaufen. Heute muss man sagen: Als reiner Vape-Store ist es sehr schwierig geworden. Smokee ist von Grund auf viel breiter aufgestellt. Das eröffnet Möglichkeiten, die wir so nicht hatten.

Was war euch beim Übergang von Dampfqueen zu Smokee besonders wichtig?

Rosle & Mario: Dass die Mitarbeitenden bleiben können. Das war für uns sogar eine Bedingung an Smokee.

Teilweise kennen unsere Mitarbeitenden ihre Kunden so gut. Sie sehen jemanden auf den Parkplatz fahren und noch bevor die Person überhaupt aus dem Auto ausgestiegen ist, greifen sie schon zum Regal und holen das Produkt, das der Kunde immer möchte. Das weiss unsere Stammkundschaft zu schätzen. Sie wissen: «Ich bin bei ihnen bekannt. Die wissen, was ich brauche.»

Warum ist Smokee aus eurer Sicht der passende Partner?

Rosle & Mario: Smokee bringt die zusätzlichen Produktbereiche mit, die es heute braucht. Das ist etwas, was wir als reiner Vape-Shop so nicht mehr bieten konnten. Natürlich ist Ivan Geschäftsmann. Das muss er auch sein. Aber wir hatten bei ihm das Gefühl, dass er fair ist und dass ihm auch die Kunden und unsere Mitarbeitenden wichtig sind. Das war für uns entscheidend.

Und auch wenn künftig ein anderer Name über dem Laden thront. Viele unserer Kunden kennen das Personal seit Jahren und werden weiterhin von denselben Menschen beraten. Smokee bringt neue Produkte und Möglichkeiten mit, gleichzeitig bleibt gerade beim Dampfen viel von unserem Know-how erhalten, das wir über Jahre hinweg aufgebaut haben. 

«Es steht vielleicht ein anderer Name über dem Laden, aber die Leute und das Wissen bleiben bestehen.»

Und ganz persönlich: Was werdet ihr vermissen?

Rosle & Mario: Vor allem die Menschen.

Die Kunden, die man teilweise seit zehn oder fünfzehn Jahren kennt. Die Gespräche. Die Geschichten. Zu sehen, wie sich Menschen über die Jahre verändern. Wir haben in dieser Zeit unglaublich viel erlebt.

Natürlich verändert sich die Branche. Produkte kommen und gehen. Heute ist Dampfen ganz anders, als wir angefangen haben.

Aber genau deshalb ist es schön, wenn es jetzt weitergeht.

Dampfqueen wird Smokee

Die bisherigen Dampfqueen-Standorte in Burgdorf und Steffisburg werden Teil von Smokee. Alle bisherigen Mitarbeitenden werden übernommen und bleiben der Kundschaft damit als bekannte Ansprechpartner erhalten.


Auch der Dampfqueen-Onlineshop bleibt bestehen. Mit «Dampfzauber» bleibt zudem die eigene Liquid-Manufaktur und das über viele Jahre aufgebaute Know-how in der Liquidherstellung erhalten.

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